Kingdom Reflections

Bleibender Frieden

von Jos           22.12.2024

Freitag, den 25. Dezember 1914: Der grosse Krieg wütet schon seit mehreren Monaten in ganz Europa und hat auf beiden Seiten bereits tausende Opfer gefordert. Es ist ein Krieg, der in den Laufgräben stattfindet – tiefe Gräben auf beiden Seiten des Schlachtfeldes und in der Mitte 100 Meter Niemandsland, ein Ort, wo niemand freiwillig hin würde, vor allem nicht an Weihnachten. An diesem Weihnachtsmorgen herrscht Totenstille. Kein einziger Schuss fällt. Stattdessen beginnen aus den Laufgräben auf beiden Seiten Weihnachtslieder zu ertönen. Ein deutscher Soldat ruft:“Merry Christmas Englishmen!” und löst eine Flut hin und her gerufener Weihnachtswünsche aus. Dann beginnen langsam und sorgfältig auf beiden Seiten Männer aus den Laufgräben zu steigen, nicht um einander anzugreifen und umzubringen, wie sie es nun monatelang getan haben, sondern um gemeinsam die Geburt Christi zu feiern. Sie umarmen einander und beschenken sich gegenseitig als Freunde – ein kleiner Moment des Friedens inmitten eines furchtbaren Krieges. Am nächsten Tag fallen wieder Schüsse und der Krieg geht so erbittert weiter wie vorher.

Diese Begebenheit ging als “Weihnachtsfrieden” in die Geschichte ein, ein inoffizieller nicht autorisierter Waffenstillstand zwischen England, Deutschland und Frankreich. Es geschah nicht überall, aber in weiten Teilen der westlichen Front legten die Soldaten ihre Waffen ab, um gemeinsam die Geburt Christi zu feiern. Für mich zeigt das auf eindrückliche Weise die Macht Christi. Stell dir vor, du wärst Mitten in diesem schrecklichen Krieg, einer von vielen Männern, die Tag für Tag das alleinige düstere Ziel verfolgen, einander umzubringen, mit schweren Verlusten auf beiden Seiten. Erst vor ein paar Tagen ist dein Freund, der neben dir kämpfte, umgebracht worden und nun umarmst du den Feind, der deinen Freund hätte umgebracht haben können, nur weil es Weihnachten ist. Wie wäre das für dich? Darin sehe ich die Macht Christi und den Grund, warum er auf diese Erde gekommen ist, um Frieden zu bringen, auch in die düsteren Laufgräben des ersten Weltkrieges.

Leider hielt dieser Frieden nicht an. An einigen Orten dauerte er mehrere Tage, aber in weiten Teilen der Front wütete der Krieg bereits am nächsten Tag weiter wie zuvor. Darin sehen wir auch die Zerbrochenheit der Menschheit. Wir leben in einer zerbrochenen Welt und müssen uns mit unserer Zerbrochenheit abgeben. Aber Gott hat uns nicht ohne Hoffnung zurückgelassen. Durch Christus ist er gekommen, um mit uns in unserer Zerbrochenheit zu leben und um Frieden in unsere Welt zu bringen, Frieden nicht nur zwischen uns Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Gott, ein Frieden, der nicht von dieser Welt ist und daher nicht an unsere Umstände gebunden ist. Lasst uns deshalb, auch wenn wir keinen Ausweg sehen und nicht verstehen, wie je Frieden geschlossen werden kann, unseren Blick immer auf den Friedefürst von Jesaja 9:6 gerichtet halten und uns von seinem Frieden erfüllen lassen. Wenn Jesus das 1914 konnte, kann er es auch heute noch.