Kingdom Reflections

Was ist Erfolg?

von Jos               23.12.2025

Was bedeutet es, erfolgreich zu sein?
In der Welt gilt es als Erfolg, eine gute, gut bezahlte Arbeit und eine schöne Familie zu haben. In den sozialen Medien stellen wir uns als glückliche Menschen dar, die im Leben vorankommen; es ist immer ein sehr positives Bild, und daran ist auch etwas Wahres. Abraham und Isaak waren beide von Gott gesegnet und wurden dadurch sehr reich. Doch es ist nirgends von Erfolg die Rede.
Als Christen messen wir Erfolg oft an unserer Frucht. Ich leite diesen Dienst und viele Menschen übergeben ihr Leben dem Herrn. Wir haben eine grosse Gemeinde und unsere Mitgliederzahl wächst weiter. Oder als Redner werde ich überall hin eingeladen. Oder, um es mehr in einen JMEM-Kontext zu setzen: Ich leite Schulen mit vielen Studenten, und viele bleiben als Mitarbeiter. Ja, das ist alles wunderbar, und wir sehen Gott darin wirken und sehen, wie Gottes Reich wächst. Aber ist das Erfolg?
Um das Thema von einem anderen Blickwinkel zu belichten, möchte ich zwei Propheten näher anschauen — Propheten, die ich für erfolgreich halte, und nicht weil sie alles im Griff hatten mit einem guten Job und einer schönen Familie (einer von ihnen durfte nicht einmal heiraten), und auch nicht, weil ihr Dienst so „erfolgreich“ war.
 
Ich möchte Jeremia und Hesekiel betrachten.
Jeremia erhielt vom Herrn den Auftrag, über Juda zu prophezeien, kurz bevor sie vom babylonischen Reich ins Exil verschleppt wurden. In Jeremia 1,4–19 lesen wir von der Berufung Jeremias. Vers 7: „Du sollst hingehen, wohin ich dich sende, und sagen, was auch immer ich dir auftragen werde.“ Und Vers 17: „Sei nicht verzagt vor ihnen, damit ich dich nicht vor ihnen verzagt mache!“ Später sagt Gott in Jeremia 7,27: „Und wenn du auch alle diese Worte zu ihnen redest, so werden sie doch nicht auf dich hören; und wenn du ihnen zurufst, werden sie dir nicht antworten.“ Und in Jeremia 1,19: „Sie werden zwar gegen dich kämpfen“ — mit anderen Worten: Sie werden nicht auf ihn hören. Doch Jeremia hatte keine Wahl; er musste gehen, sonst würde Gott ihn verzagt machen. Also ging Jeremia, aber es war nicht einfach. Er beklagte sich oft bei Gott (Jer. 12,1–4; 15,10–18; 17,14–18 usw.).
In Jeremia 16,2 lesen wir: „Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch Töchter haben an diesem Ort.“ Er durfte also nicht heiraten und keine Kinder haben — als symbolische Handlung, aber auch, um ihm noch mehr Leid zu ersparen.
Er wurde ins Gefängnis gesteckt, in eine Zisterne geworfen und nach den ersten zwei Verschleppungen ins Exil warnte Jeremia die in Jerusalem Zurückgebliebenen, nicht nach Ägypten zu gehen. Doch das Volk hörte nicht zu, ging trotzdem nach Ägypten und nahm Jeremia mit (sie entführten ihn also). Er hatte also weder eine schöne Familie noch einen guten Job; er wurde sogar ins Gefängnis geworfen, und sein Dienst war nicht sehr fruchtbar. Was ist also Erfolg in Gottes Augen?
 
Hesekiel war ein Priester, der als Prophet zu den Juden in der Verbannung sprach, und auch er hatte es schwer. Schon bei seiner Berufung (Hes. 2,3–7) sagte ihm Gott, dass das Volk widerspenstig sei. In Hesekiel 3,7 steht: „Aber das Haus Israel wird nicht auf dich hören wollen, sie wollen ja auch auf mich nicht hören; denn das ganze Haus Israel hat eine harte Stirn und ein verstocktes Herz.“ Auch Hesekiel wurde wie so vielen Propheten der Auftrag gegeben, das Volk zum Bund zurückzurufen, und wieder sagte Gott ihm im Voraus, dass „sie nicht hören werden“. Dennoch ging Hesekiel. In Hesekiel 24,15–27 lesen wir außerdem, dass seine Frau starb, als er noch in den Dreißigern war, und dass er nicht um sie trauern durfte. Das klingt für mich nicht nach Erfolg.
 
Und doch glaube ich, dass Jeremia und Hesekiel erfolgreich waren in dem, was sie taten — aber nicht, weil sie alles im Griff hatten mit einem guten Job, einer schönen Familie und einem fruchtbaren Dienst. Was machte diese beiden Männer also erfolgreich? Was wir aus ihren Leben lernen können, ist, dass der Gehorsam gegenüber Gott über allem steht: über der Familie und über einem fruchtbaren Dienst. Wenn Gott uns dazu beruft, etwas zu tun, müssen wir gehorchen, unabhängig davon, was daraus wird. Es liegt nicht an uns, etwas als erfolgreich zu bewerten. Wir sollen gehorchen; der Rest liegt in Gottes Händen.
Natürlich wird Gott durch uns wirken, und vielleicht haben wir eine schöne Familie, und es ist wunderbar, wenn wir einen fruchtbaren Dienst haben. Aber das darf nicht entscheidend sein dafür, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Dasselbe gilt auch im Hinblick auf andere: Beneiden wir andere Menschen darum, was sie tun dürfen? Schauen wir aufgrund unserer menschlichen Maßstäben von Erfolg zu anderen auf? Oder sehen wir Erfolg as eine enge Beziehung zu Gott?
Jeremia war oft frustriert in seinem Dienst, aber er brachte seine Frustrationen immer zu Gott; er klagte viel vor Gott. So sollten wir Erfolg also definieren: Erfolg liegt in einer Beziehung zu Gott. Und wenn wir eine enge Beziehung zu Gott haben, werden wir seine Stimme hören, wissen, was Sein Wille ist, und ein erfolgreiches Leben führen.